„Wir waren schon wahnsinnig enttäuscht, als wir den Zoo wieder schließen mussten“- das Interview mit der Hofer Zooleiterin Sandra Dollhäupl

„Wir waren schon wahnsinnig enttäuscht, als wir den Zoo wieder schließen mussten“- das Interview mit der Hofer Zooleiterin Sandra Dollhäupl

Wir haben für euch einmal nachgefragt, wie es beliebten Freizeiteinrichtungen im Hofer Land in der momentan schwierigen Situation ergeht. Als Erstes präsentieren wir euch ein Interview mit dem Hofer Zoo, um genauer zu sein mit der Zooleiterin Frau Dollhäupl. Wie sie und ihr Team die aktuelle Situation bewältigen und ob eine Schließung über mehrere Wochen oder gar Monate das Aus für den einzigen Zoo in Oberfranken bedeuten würde, lest ihr im folgenden Artikel.

Wie geht es Ihnen als Zooleiterin und auch Ihren Mitarbeitern momentan in dieser Situation?

Also, es ist auf der einen Seite eine spannende Geschichte, weil wir normalerweise 365 Tage im Jahr geöffnet haben. Wir haben also immer Besucher da und wenn jetzt mal nichts los ist, dann ist es schon komisch. Dadurch dass wir aber wissen, dass ohne Besucher auch kein Geld in die Kasse kommt, wäre es uns schon lieber, wenn wir jetzt offen hätten.

Wie groß war die Ernüchterung, als sie vor knapp drei Wochen erfahren haben, dass Sie Ihren Zoo wieder schließen müssen, nachdem Sie erst kürzlich wieder den Zoo für die Besucher öffnen durften?

Wir waren schon wahnsinnig enttäuscht, weil in der ersten Ansprache gesagt worden ist, dass es bundesweit einheitliche Regeln geben wird und dort wurden Zoos eben nicht explizit aufgeführt. Deswegen hatten wir die Hoffnung, denn da klammert man sich in so einer Situation dran, dass wir tatsächlich offenlassen können. Aber Bayern braut in der gesamten Corona-Krise eben sein eigenes Bier und das fällt meistens strenger aus als im Rest von Deutschland. Es war keine Überraschung, aber es tut natürlich schon weh, wenn man erfährt, wieder schließen zu müssen.

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen scheint es leider nicht so, dass Sie den Hofer Zoo wieder öffnen dürfen. Was würde passieren, wenn es wie im Frühjahr wäre und der Zoo wieder für mehrere Monate geschlossen bleiben muss? Würde dies die Existenz des Zoos gefährden?

Ja, ich sag mal so: Der Unterschied zum Frühjahr ist der, dass wir damals nicht wirklich vom Staat Unterstützung bekommen haben, und jetzt können wir eben finanzielle Unterstützung beantragen. Also wir schauen dann, was wir letztes Jahr im November eingenommen haben und da kriegen wir 75 Prozent davon bezahlt. Das ist schon mal eine Erleichterung. Irgendwo bin ich auch froh, dass es die Wintermonate getroffen hat, in denen wir zu haben, weil die Wintermonate sowieso nicht so gut bei uns besucht sind. Uns hängt aber tatsächlich noch das Frühjahr und besonders die Osterfeiertage nach, also da ist uns schon ziemlich viel durch die Lappen gegangen.

Das wäre auch unsere nächste Frage: Werden auch kleine Zoos von der Politik unterstützt?

Ja, also die Politik spielt da eine sehr, sehr große Rolle. Wir bekommen natürlich einen Zuschuss von der Stadt Hof. Dieser Zuschuss ist allerdings auf ein „normales“ Jahr ausgelegt und 2020 ist durch Corona eben kein normales Jahr. Dadurch, dass wir im Frühjahr schließen mussten, sind finanzielle Einbußen da und wir appellieren an die Bevölkerung. Spenden sind natürlich jederzeit willkommen. Aber die Politik hat gerade auch ihre eigenen Probleme, was diese Corona-Krise angeht und da wollen wir als kleiner Zoo nicht auch noch auf die Nerven gehen. Aber wenn es hart auf hart kommt, dann ist unsere letzte Möglichkeit, die wir angehen könnhaben, eben auf die Stadt Hof zuzugehen.

Hat sich denn das Verhalten der Tiere geändert, seit keine Besucher mehr im Zoo sind?

Ich glaube, einem normalen Besucher würde es tatsächlich nicht auffallen. Wir merken es allerdings schon. Das ist jetzt zwar kein exotisches Tier, was ich hier als Beispiel aufführe, aber unsere Zoo-Katze wird normalerweise acht Stunden von den Besuchern gekrault und jetzt sitzt sie regelmäßig acht Stunden auf meinem Schreibtisch, um gekrault zu werden. (Zeigt ihren Schreibtisch voller Katzenhaare). Aber auch bei den Affen oder den Ziegen, die viel mit den Besuchern interagieren, ist es uns vor allem im Frühjahr [während des ersten Lockdowns] aufgefallen. Da wir allerdings in dieser Jahreszeit normalerweise eher weniger Besucher haben, fällt das momentan gar nicht so auf.

Bleibt den der Tagesablauf bei ihren Mitarbeitern gleich? Also erledigen sie die gleichen Aufgaben, als wenn der Zoo geöffnet wäre, um beispielsweise auch den Tieren eine gewisse Normalität zu vermitteln?

Ja, es ist tatsächlich so, dass die Arbeit ja dieselbe geblieben ist, nur eben ohne Einnahmen.

Gibt es denn für die Mitarbeiter spezielle Hygiene-Regeln, die extra für Zoos eingeführt worden sind, zum Beispiel für den Umgang mit den Tieren?

Prinzipiell haben wir sowieso für Mitarbeiter besondere Hygiene-Regeln, bevor man also sein Brot essen konnte, hat jeder Mitarbeiter sich davor die Hände desinfiziert. Jetzt durch Corona ist es noch einmal strenger geworden, natürlich gilt bei uns in den Aufenthaltsräumen die Maskenpflicht und auch wenn ein Tier untersucht werden muss, müssen die Mitarbeiter einen Mundschutz tragen. Wenn wir zur Arbeit kommen, wird jeden Tag Fieber gemessen, und wenn ein Mitarbeiter Fieber hat, wird er dann sofort nach Hause geschickt.

Sie sind noch jung, aber tragen die Verantwortung für Ihre Mitarbeiter und auch für die Tiere. Wie schwer ist für Sie die aktuelle Situation und gibt es Dinge, auf die Sie nun mehr Wert legen als vor Corona?

Also, tatsächlich ist es so, dass unser Zoo von einem Verein getragen wird und der Vorstand des Vereines steht noch einmal über der Zooleitung. Das heißt, diese Corona-Last, die man jetzt in diesem Jahr zu bewältigen hat, muss ich nicht allein auf meinen Schultern tragen. Worüber ich auch sehr froh bin, denn man hat ja teilweise selbst nichts mehr verstanden, da immer mehr neue Meldungen und Regelungen dazukamen. Wir hatten auch ständig Kontakt zu unserer Betriebsärztin, um uns zu versichern, dass wir uns auch immer richtig verhalten, und zu erfahren, was noch verbessert werden kann. Also reden hilft ganz viel. Was ich noch ergänzen will: Im Frühjahr hatten wir anfangs ein Schichtsystem, also wir haben zwei Teams gebildet, um einfach zu vermeiden, dass bei einer Corona-Infektion das komplette Team in Quarantäne muss. Das ist momentan ein bisschen lockerer geworden und ich will es auch vermeiden, noch einmal dieses Schichtsystem einführen zu müssen. Wir haben uns dabei alle nicht wohl gefühlt, denn man hat die Kollegen vermisst und in dieser Situation sind auch ein paar Spannungen aufgetreten, aber wir haben uns im Gegensatz zu anderen Teams wieder zusammengerauft.

Wie lange wird es Ihrer Meinung dauern, bis der Hofer Zoo wieder in der Normalität angelangt ist?

Man muss sagen, dass es uns im Frühjahr sehr in die Karten gespielt hat, als wir wieder öffnen durften, während die Kindergärten und Schulen noch geschlossen waren. Da haben sich die Eltern gefragt, wo sie hingehen könnten, um ihr Kind zu beschäftigen: Natürlich in den Zoo. Dies haben wir tatsächlich gemerkt und wir hoffen jetzt natürlich, dass wir bald wieder öffnen können. Allerdings glauben wir auch, dass sich Corona mit einem möglichen Impfstoff noch nicht erledigt hat, damit müssen wir uns einfach noch ein paar Monate oder sogar Jahre beschäftigen. Wir hoffen natürlich, dass jetzt viele Familien eher in der Heimat Urlaub machen werden und wir als Ausflugsziel noch interessanter werden können. Aber da müssen wir erst einmal abwarten, was die nächsten Monate so mit sich bringen.

Gab es eventuell auch Pläne, sich neue Tiere anzuschaffen oder ein Gehege zu modernisieren, die durch Corona allerdings durchkreuzt wurden?

Bei den Gehegen war das wirklich so. Wir haben bis jetzt nur die Gehege modernisieren können, bei denen es wirklich gemacht werden musste. Sachen, die nicht zwingend notwendig sind, die haben wir erst einmal auf die Seite geschoben, denn wir wissen nicht, welche schweren Zeiten uns noch bevorstehen. Wir unterscheiden momentan zwischen den „Must-Haves“ und den „Nice-to-Haves“ und wir konzentrieren uns momentan auf die „Must-Haves“, die wir einfach erledigen müssen.

Die letzte Frage ist noch ein bisschen fies. Verraten Sie unseren Leserinnen und Lesern, welches Ihr Lieblingstier im Zoo ist?

(lacht) Schwierig, ich glaube, als Zooleitung darf man gar kein Lieblingstier haben. Aber ich bin tatsächlich total gerne bei den Schweinen und wir sind mit zwei weiteren Zoos die einzigen Halter von sogenannten Fuchskusus. Das sind australische Waschbären, die allerdings einen Beutel haben. Die sind super plüschig und die finde ich auch total klasse.

Das Interview mit der Leiterin des Hofer Zoos führte Adrian Eisel, Q11.

Frau Dollhäupl, die ganze Redaktion bedankt sich für dieses wirklich interessante Interview. Wir hoffen, dass der Hofer Zoo bald wieder öffnen und ganz viele Familien begrüßen kann.

Hier könnt ihr den Zoo unterstützen:

Klickt einfach hier auf den Button, dort erhaltet ihr weitere Informationen, wie ihr den Zoo unterstützen könnt. Durch eure Spende kann der Hofer Zoo den gewohnten Betrieb aufrechterhalten. Also bevor ihr große Marken und Unternehmen unterstützt, die sowieso genug Umsatz generieren und ausreichend finanzielle Hilfe bekommen, helft kleinen und regionalen Freizeiteinrichtungen wie dem Hofer Zoo.

Noch ein paar interessante Fakten zum Schluss:

0
Jahre gibt es den Hofer Zoo.
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Tierarten gibt es zu bestaunen.
0
Hektar stehen den Tieren zur Verfügung.
Quelle der Bilder: http://www.zoo-hof.de/

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