Ein Auslandsjahr in Zeiten von Corona – Anezka in Frankreich (Monat 3)

Dezember 3, 2020 Von Hfgwaaf

Hallo, mein Name ist Anezka, ich bin 16 Jahre alt und mache zurzeit ein Auslandsjahr in Frankreich. Ich möchte euch hier über meine Zeit als Austauschschülerin berichten und hoffe, dass ich euch so gut wie es geht über die positiven und negativen Seiten eines Auslandsjahres aufklären kann, und vielleicht sogar den einen oder anderen dazu motivieren kann, auch ein Auslandsjahr zu machen. Die ersten 2 Monate meines Auslandsjahres könnt ihr auf der Schulhomepage nachlesen.

Wir haben heute den ersten Dezember und meine Gastschwester und ich haben gerade das erste Türchen von unseren selbst gebastelten Adventskalendern geöffnet. Wegen der neuen Ausgangsregelungen haben wir uns den letzten Monat vorwiegend zu Hause aufgehalten und versucht die Zeit kreativ auszunutzen. Neben Malen und Basteln haben wir auch viel gekocht und gebacken. Während ich meiner Gastfamilie gezeigt habe, wie man deutsche Brezeln und tschechische „bramboraky“ macht, hat meine Gastmutter mir beigebracht „madeleines“, einen „tarte tatin“ und weitere französische Gerichte zuzubereiten. Am besten von allem hat mir aber die „Crème catalane“, die mit Zuckerkruste überbackene Eiercreme, geschmeckt. Wie der Name schon verrät, ist es eine katalanische und somit auch eine regionale Spezialität, denn Perpignan und dessen Umkreis gehörte einst zu Nordkatalonien, das heute nahezu deckungsgleich mit dem Département Pyrénées- Orientales ist. Seit dem Ende des Französisch-Spanischen Krieges, der 1659 endete, gehört dieser Teil zu Frankreich. Katalanische Geschichte macht sich aber bis heute noch bemerkbar. Die Straßenschilder in der Stadt, in der ich wohne, sind auf Französisch und auf Katalanisch. Der Unterricht auf der Schule meiner Gastschwester wird nachmittags auf Katalanisch gehalten und es gibt sogar Läden und Restaurants, in welchen nur katalanisch gesprochen wird (bzw. werden darf). Leider sprechen hier nur noch wenige Leute in meinem Alter diese Sprache, jedoch hinterlässt sie auch in der französischen Sprache ihre Spuren, und zwar in dem spezifischen Dialekt, der hier gesprochen wird. Die katalanische Kultur ist geprägt durch die verschiedensten Gerichte, v. a. die kleinen Appetithäppchen „Tapas“, dem Volkstanz „Sardana“ und dem Esel, der hier als ein Symbol gilt. Auch die katalanische Architektur ist hier überall zu sehen. Die Stadt, in der ich hier wohne, ist die älteste Stadt im Roussillon. Die Fassaden der typischen Gebäude sind aus sichtbar schräg gestellten Backsteinen gebaut und die Häuser sind mit bunten Fensterläden verziert. Über den Dächern dieser wunderschönen Kleinstadt erhebt sich eine Kathedrale mit einem Turm. Von hieraus kann man die schneebedeckten Bergspitzen der Pyrenäen auf einer Seite und das blaue Mittelmeer auf der anderen Seite der Aussichtsplattform beobachten. Ich bin sehr froh, dass ich diese neue Kultur, die mir vorher unbekannt war, kennenlernen darf und liebe es, wie sie hier in einer Mischung mit der französischen Kultur ausgelebt wird. Dank der ganzen französischen und katalanischen Spezialitäten habe ich auch schon schnell Weihnachtsgeschenke für meine Familie gefunden. Hier gibt es überall viele kleine einheimische Läden und Boutiquen, die einem das Geschenkekaufen sehr erleichtern. Die kleineren Geschäfte sind aber erst seit dem letzten Wochenende wieder fürs Erste geöffnet und da man sich auch mittlerweile wieder in einem Umkreis von 20 Kilometern von seinem Haus entfernen darf, haben wir nicht gezögert und waren in Perpignan shoppen. Da das Wetter aber immer noch warm ist, versuchen wir weiterhin viel in die Natur rauszugehen, um zu spazieren oder Fahrrad zu fahren. Bis zum 20.01.2021 gehe ich weiterhin leider nur alle zwei Tage in die Schule. In den lycées wurden die Klassen in zwei Teile geteilt, wobei sich die Gruppen mit dem Unterricht in der Schule und dem Online-Unterricht abwechseln. Ich versuche positiv zu bleiben und freue mich jetzt erst einmal die Weihnachtszeit mit meiner Gastfamilie genießen zu können.

Ich melde mich nächstes Jahr wieder, also schon mal „Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr“ euch allen!

Noch ein paar Impressionen...

Das Wetter in Frankreich ist auf jeden Fall besser als bei uns in Deutschland.

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