Ein Auslandsjahr in Zeiten von Corona – Anezka in Frankreich (Monat 4)

Ein Auslandsjahr in Zeiten von Corona – Anezka in Frankreich (Monat 4)

Bonne année! Ich hoffe, ihr seid gut ins Jahr 2021 gerutscht! Das neue Jahr beginnt und somit ist auch ein weiterer Monat meines Auslandsjahres vergangen. Der ganze Dezember war recht festlich. Schon Ende November waren alle Städte mit Weihnachtsdeko verziert und die ersten Weihnachtsmärkte wurden aufgebaut. Der Markt in Perpignan ist zum Beispiel wunderschön und lockt mit Austern, Glühwein und Muskat, Lederhandwerk und anderem regionalen Kunsthandwerk. In der Stadt Perpignan ist zu Weihnachten eine große katalanische Krippe installiert. Ich finde sehr amüsant, dass zu der Krippe auch ein „Caganer“ (katalanisch für Scheißer) gehört. Ein Caganer ist eine Person mit heruntergelassenen Hosen, die sich im Umfeld der Geburt Jesu erleichtert. Ursprünglich war diese Figur in typischer Kleidung katalanischer Bauern mit Schärpe und roter Mütze dargestellt, heute gibt es Darstellungen auch von populären Persönlichkeiten wie Politikern. Der Caganer wird als Glücksbringer gekauft und geschenkt, was ich natürlich auch gemacht habe. Trotz allem bin ich nur ganz langsam in Weihnachtsstimmung gekommen. Das lag wahrscheinlich an den warmen Temperaturen, die wir häufig immer noch hatten und dank derer wir auch noch einige schöne Spaziergänge machen konnten. Die ersten zwei Wochen im Dezember hatte ich noch, wie zu vor, alle zwei Tage Schule. Außerdem hat mein Schwimmtraining wieder angefangen, worüber ich mich sehr gefreut habe. Und dann waren schon die Ferien da. Die ersten Tage haben wir damit verbracht, alle Geschenke zu besorgen, das Haus zu dekorieren und Essen vorzubereiten. Was mich ziemlich verwundert hat, ist, dass in Frankreich die klassischen Ausstechplätzchen und Vanillekipferln scheinbar nicht zu den Weihnachtstraditionen gehören. Ich habe sie trotzdem mit meiner Gastfamilie und mit einer Freundin gebacken und beide möchten es in Zukunft als Brauch weiterführen. Eine weitere Gewohnheit von mir, die in Frankreich nicht überall zelebriert wird, ist der Nikolaus am 6. Dezember. Hier in Okzitanien wird er gar nicht gefeiert, aber dafür soll er angeblich in Nordfrankreich genauso groß gefeiert werden wie Weihnachten. Auch den klassischen Weihnachtskranz gibt es hier in Südfrankreich nicht. Anderseits haben die Franzosen viele Traditionen zu bieten, die ich davor noch nicht kannte. Ein typisch katalanischer Brauch ist zum Beispiel der sogenannte Porrón, ein mit Wein gefüllter Schnabelkrug mit einer Einfüllöffnung oben und einem trichterförmigen Trinkrohr mit enger Tülle an der Seite. Die Flüssigkeit lässt man sich in einem dünnen Strahl aus dem Trinkrohr in den Mund schießen, ohne dass dieser das Gefäß berührt. Die Schwierigkeit besteht darin, den Mund zu treffen und die Flüssigkeit zu schlucken, ohne den Mund zu schließen. Ich persönlich habe es nicht ausprobiert, aber bei anderen sah es immer sehr amüsant aus. Heilig Abend war ein sehr tolles Erlebnis. Früh am 24. Dezember habe ich meiner Gastschwester gezeigt, wie man eine Stolle und Kokosmakronen backt. Danach habe ich Weihnachtsgeschenke verpackt und mich für den Abend fertiggemacht. Wir haben mit den Großeltern gefeiert und typisch französisch mit einem Aperitif angefangen. Es gab viel zu essen und trinken: Champagner, Lachshäppchen, Meeresschnecken (die ich diesmal übrigens probiert habe aber nicht so wirklich überzeugt wurde) und „foie gras“ (Stopfleber). Danach ging es weiter mit Fisch und Calamari in Tomatensoße und dazu Reis. Es ist ein typisch mediterranes Gericht, das sehr gut schmeckte. Nach dem Hauptgang gab es natürlich auch noch viel Käse, mit dem ich mich langsam anfange anzufreunden. Als Nachtisch wurden vier verschiedene Sorten von der „bûche de Noël“, dem Weihnachtsbaumkuchen, serviert. Dieser geht zurück auf den Brauch, am Weihnachtsabend einen Baumstamm zu verbrennen, dessen Asche nach den Feiertagen auf den Feldern verstreut wurde, was Glück und eine erfolgreiche Ernte verheißen sollte. Die Weihnachtsgeschenke wurden in der Nacht vom 24. auf den 25. vom „Père Noël“ gebracht. Das heißt, wir haben die Geschenke am Morgen des 25. Dezember geöffnet. Ich wurde dieses Jahr reichlich beschenkt und habe unter anderem von meinen Gasteltern ein Parfum geschenkt bekommen, um noch französischer zu wirken, denn es stimmt, die Franzosen tragen sogar zum Einkaufen Duft auf. Nach dem Geschenkeauspacken haben wir gebruncht. Es gab Rührei mit Bohnen und als Nachtisch Crêpes und meine Stolle. Über Silvester sind wir zu Freunden nach Angoustrine in die Berge gefahren. Angoustrine ist eine kleine Gemeinde, die in der Cerdanya in den Pyrenäen nahe der Grenze zu Spanien liegt. Diese Gegend ist sowohl im Sommer auch als im Winter bei den Touristen, die Natur lieben, sehr beliebt. Man kann hier Wandern, Ski- oder Schlittenfahren oder sogar eine Fahrt mit einem Schlitten, der von einem Husky-Hundeteam gezogen wird, unternehmen. Wir haben hier vier Tage beim tollen Wetter verbracht. Und natürlich auch hier wurde viel gegessen. Am 31. gab es auch ganz klassisch Raclette mit vielen verschiedenen Käse- und Schinkensorten und am 1. Januar zu Mittag Rindshaxe mit Kartoffeln. Ansonsten wurde draußen gegrillt und katalanische Süßspezialitäten wie gezuckerte Fougasse mit Obst „la fougasse aux fruits“ verspeist. Im Großen und Ganzen habe ich sehr schöne Feiertage mit meiner Gastfamilie verbracht, aber ich muss auch zugeben, dass ich mich auch wieder auf die Schule freue, die gleich am 4.Januar anfängt.

Ich melde mich wieder Ende des Monats.

Bis Bald!

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