Ein Auslandsjahr in Zeiten von Corona – Anezka in Frankreich (Monat 7)

Ein Auslandsjahr in Zeiten von Corona – Anezka in Frankreich (Monat 7)

Ich hoffe, ihr seid gesund und verbringt schöne Feiertage und schöne Ferien.

Hier in Frankreich hatten wir nur ein verlängertes Wochenende, da lediglich der Ostermontag ein gesetzlicher Feiertag ist, an dem grundsätzlich schul- und arbeitsfrei ist. Der Karfreitag ist kein gesetzlicher Feiertag, nur im Elsass und in Lothringen gibt es an diesem Tag frei – und bei meiner Familie 🙂 Wie ich schon öfters berichtete, haben die französischen Kinder täglich sehr lange Schule. Der Vorteil, alle 7 Wochen gibt es zwei Wochen Ferien (die großen Sommerferien sind sogar acht Wochen lang)! Auf jeden Fall, die April-Ferien sind nicht an die Osterfeiertage gebunden, sondern beginnen erst Mitte April, somit habe ich noch Schule.

Über die französischen Osterbräuche kann ich euch nur wenig berichten, da wir am Wochenende unterwegs waren. Meine Gastfamilie ist reiselustig und dementsprechend verreisen wir oft. Mitte März haben wir ein Wochenende in den Bergen, in dem Ort Quérigut, verbracht, um ein letztes verschneites Wochenende zu erleben. Quérigut liegt in einer Höhe von etwa 1200 Metern und eignet sich gut für Wanderungen. Zu der malerischen Gegend gehört auch eine Burgruine mit einer schönen Aussicht aufs Dorf und Umgebung.

Und nun kam das lange Oster-Wochenende in der „Camargue“, eine Region, die zu den „départements des Bouches-du-Rhône et du Gard“ gehört. Auf der Hinfahrt haben wir die „Pont du Gard“ besichtigt. Eine fast 2000 Jahre alte römische Aquädukt-Brücke, die damals die Stadt Nîmes mit Wasser versorgte. Sie liegt über dem Fluss Gardon und ist ca. 50 m hoch. Oft sieht man ehemalige römische Bauten in Städten, jedoch habe ich noch nie so eine mitten in der Natur gesehen und fand es sehr faszinierend. Dadurch, dass es ein Freitag war, waren dort nicht allzu viele Menschen unterwegs und wir konnten ungestört bei 33 Grad picknicken und baden. Am Abend sind wir in Saint-Laurent d’Aigouze angekommen, wo wir die ersten zwei Nächte verbrachten. Am nächsten Tag haben wir den „Parc de Pont de Gau“ besichtigt. Dieser Naturpark, der aus Sümpfen, Teichen, Schilfgärten, Rasenflächen und Flora und Fauna besteht, gibt mit seinen 60 Hektar die Möglichkeit, Wildtiere in seiner natürlichen Umgebung zu entdecken. Vor allem sind dort sesshafte und wandernde Vogelarten zu sehen, zum Beispiel Flamingos und Störche. Ich fand den Besuch zwar sehr interessant, jedoch finde ich, dass man das Meiste, was in dem Park zu sehen ist, auch außerhalb findet, da die Camargue allgemein für ihre wilde Natur und zahlreichen Vogelarten bekannt ist. Die letzte Nacht haben wir auf einer Ranch verbracht. Von diesen gibt es in dieser Gegend sehr viele, da die Camargue Stier- und Pferdehaltung sehr typisch für die Region ist. Das liegt daran, dass –  wie auch in Spanien – die Stierkämpfe die Kultur der Provence prägen. Allerdings ist die blutige Variante des Stierkampfes dort nicht mehr üblich. Es ist der „Course Camargaise“, der sehr volkstümlich ist und tausende Besucher in die Stierkampf-Arenen, welche es dort in jeder Stadt gibt, lockt. Dabei versuchen die Kämpfer dem Stier ein Band zwischen den Hörnern zu entreißen und müssen dabei sehr schnell und geschickt sein. Für diese Spektakel werden zweimal im Jahr die schönsten Stiere und Pferde ausgesucht, welche in verschiedenen „manades“ gezüchtet werden, wie zum Beispiel in der, wo wir übernachtet haben. Die Besitzerin hat uns mit ihrem Jeep eine Tour über ihr 200 ha Land gegeben und uns vieles über die Kultur und die Tiere erzählt.

Am Montagmorgen haben wir mit meiner Gastfamilie zusammen Ostern gefeiert. In Frankreich bringt nicht der Osterhase, sondern die Kirchenglocken die Ostereier, aber genau wie in Deutschland werden diese im Garten versteckt, damit die Kinder sie suchen. Da meine Gastschwester noch etwas jünger ist, habe ich diese Tradition nach längerer Zeit auch wieder entdecken dürfen. Da die Süßigkeiten auf dem ganzen Hof versteckt wurden, war es eine lange Suche, die aber sehr viel Spaß gemacht hat. Am frühen Nachmittag sind wir zurück nach Hause gefahren. Der Ausflug war sehr interessant und ich finde es immer wieder schön, die Vielfalt der Regionen Frankreichs zu entdecken. Das wird jetzt die nächsten Wochen nicht mehr möglich sein, da wir seit heute „confinement“, also Lockdown, haben. Mich ärgert das sehr, da es genau jetzt anfängt, draußen richtig warmzuwerden. Trotzdem respektiere ich die Maßnahmen und hoffe, dass es im Mai und Juni wieder etwas gelockert wird. Im Moment heißt es: Schule zu, Läden zu und nur noch im Umkreis von 10 km draußen aufhalten. Zum Glück ist meine Bleibe nur 5 km vom Meer entfernt, also kann ich immerhin noch an den Strand gehen 🙂

Bleibt gesund und bis bald!

Ein paar Impressionen

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