Enttäuschtes Vertrauen – Eine kurze Erzählung

Enttäuschtes Vertrauen – Eine kurze Erzählung

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Ich lehnte meinen Kopf gegen das Busfenster, während meine beste Freundin Sina, die neben mir saß, redete. Sie war so mit reden beschäftigt, dass sie nicht mal bemerkte, dass ich schon vor einer halben Stunde aufgehört hatte ihr zuzuhören. Wie aufs Stichwort fragte sie mich jetzt auch noch: „Josy! Hörst du mir überhaupt zu?“ Ich blickte zu ihr und sah, dass sie mich scharf anblickte. Schnell versuchte ich mir irgendwas zusammenzureimen und stotterte letztendlich: „Ähm, ja, du hast gerade über, ähm, die Klassenfahrt geredet.“ „Wie dann auch die letzte halbe Stunde“, fügte ich in Gedanken hinzu. „Ja, stimmt. Freust du dich auch schon so? Also ich…“, faselte sie letztendlich weiter. Mein Blick wanderte wieder zum Fenster, wo sich Felder mit Wäldern abwechselten. Ab und zu kam auch noch ein Dorf, aber die wurden mit der Zeit auch immer seltener. ,,In welche Pampa bringen die uns denn?!“, dachte ich und sah ein weiteres kleines Dörfchen an mir vorbeiziehen. Nach einer weiteren Viertelstunde Felder, Wälder und Sinas Geplapper bogen wir in ein Dorf ein. Dort gab es einen kleinen Laden, der Lebensmittel verkaufte, und einen, der Klamotten im Angebot hatte. Außerdem mehrere ein- oder zweistöckige Häuser mit bunten Fassaden. Weiter hinten entdeckte ich noch eine Schule, doch wir bogen auf einen kleinen Waldweg ab, bevor ich einen genaueren Blick darauf werfen konnte. ,,Wenn uns jetzt jemand entgegenkommt, wird es problematisch“, riss mich Sina, die mal für ein paar Minuten den Mund gehalten hatte, aus meinen Gedanken. Damit hatte sie gar nicht so unrecht, da der Weg gerade mal so groß war, dass der Bus durchpasste. Zum Glück aber war der Weg nicht so lang und der Wald lichtete sich nach kurzer Zeit und der Weg wurde somit auch breiter. Der Bus bog nach rechts auf eine Straße, die zu einem großen, alten Haus führte, welches am Waldrand stand. ,,Das ist bestimmt das Schullandheim!“, rief Sina so laut, dass es der ganze Bus mitbekam. Einige Schüler lachten und Sina grinste. Letztendlich kamen wir an und bekamen unsere Koffer. Meine beste Freudin und ich erhielten sie mit als erste, sodass wir warten mussten. Währenddessen musterte ich Sina, wobei mir mal wieder auffiel, wie unterschiedlich wir eigentlich aussehen. Sie hat hüftlanges blondes Haar, leicht gebräunte Haut und strahlend himmelblaue Augen. Ich dagegen habe schulterlange kastanienbraune Haare, relativ helle Haut und haselnussbraune Augen. Nachdem alle ihre Koffer hatten, durften wir reingehen. Nun standen wir in einer Halle, die sowohl Empfangshalle als auch Aufenthaltsraum zu sein schien. Wir bekamen unsere Zimmernummern und den Auftrag, unsere Betten zu überziehen. Mit wem wir in ein Zimmer wollten, durften wir schon vor ein paar Wochen aussuchen. Ich habe mich natürlich für Sina entschieden, doch da es Viererzimmer sind, haben wir noch weitere Mädchen im Zimmer. Dennoch wurde uns nicht gesagt wer. Um die Sachen  zum Überziehen der Betten zu bekommen, gingen wir zu einer Kiste neben der Treppe, die nach oben führte. Wir nahmen uns alle Sachen und gingen in unser Zimmer. Da noch niemand da war, suchten wir uns die beiden oberen Betten der beiden Doppelstockbetten aus. Kurz nachdem wir angefangen hatten, unsere Betten zu beziehen, kam ein kleines, unscheinbares Mädchen mit Brille und glatten schwarzen Haaren rein. „Ähm, hallo. Ich denke wir sind in einem Zimmer“, sagte es und schob ihre Brille hoch, welche runtergerutscht war. Sina ging zu ihr und nahm ihr die Bettwäsche ab und legte sie auf eins der freien Betten. Ich überzog dennoch weiter mein Bett, da ich keine Lust hatte, das Mädchen zu begrüßen. „Hey, ich bin Sina und das ist Josy“, stellte uns meine Freundin vor. Das Mädchen kam mit ihrem roten Koffer ins Zimmer und stellte sich auch vor: „Ich heiße Lea.“ Als nichts weiter gesagt wurde, machten sich Sina und Lea auch an die Arbeit. Natürlich wurde ich als erste fertig und fing an meine Reisetasche auszupacken. Nachdem auch Sina kurz darauf fertig war, fragte sie: „Was sollen wir eigentlich machen, wenn wir fertig sind?“ „Ich denke, wir sollen dann wieder runtergehen“, schlug Lea vor. Als auch Lea fertig war, gingen wir runter und es waren tatsächlich fast alle Klassenkameraden und Lehrer da. Nach und nach trudelten auch noch die letzten Schüler ein und uns wurde erklärt, was wir in den nächsten Tagen machen würden. In diesen Tagen passierte nichts Aufregendes, doch mir fiel auf, wie nah sich Lea und Sina plötzlich waren. Das machte mich natürlich eifersüchtig, da Sina und ich seit dem Kindergarten befreundet waren, und doch versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen. Für den vorletzten Tag hatten sich die Lehrer eine Wanderung zu einem alten Stall überlegt. Dort würden wir dann übernachten und am nächsten Tag zurück zum Schullandheim marschieren. Als der Tag gekommen war, aßen wir Mittag und sollten dann einen Rucksack mit Getränken und Kleidung zum Wechseln einpacken. Essen und Decken sollte der Herbergsvater schon mit dem Auto zum Stall bringen. Der alte Stall sollte mit Decken ausgelegt werden, auf denen wir dann schlafen würden. Als alle fertig mit Packen waren, liefen wir ein Zeit lang am Waldrand. Daneben verlief auch eine Straße, die aber nicht besonders breit war. Nach einer Stunde bogen wir in den Wald ein, wo auch der Stall stand. Wir kamen an und mir fiel auf, dass die Sonne schon unterging. Im Haus angekommen, wurden mit Käse und Salami belegte Brötchen verteilt. Während wir aßen, bekam ich mit, wie Sina und Lea sich abseits von mir unterhielten und ich wurde traurig. Ich aß mein Brötchen schnell auf und setzte mich in einiger Entfernung an die Wand des Stalles. Das Holz der Wand war ziemlich kalt, aber das war mir egal, ich wollte einfach ein bisschen alleine sein. Nach kurzer Zeit bemerkte mich Sina und krabbelte zu mir rüber. „Ist alles okay? Du wirkst so traurig“, fragte sie mich und sah mich besorgt an. „Alles okay. Ich wollte nur kurz alleine sein“, antwortete ich und grinste sie schief an. Sie sah mich noch kurz an, entschied sich dann aber, wieder zu den anderen zu gehen. Dort war inzwischen auch nur die einzige Stelle, wo Licht war, und das auch nur, weil dort eine kleine Lampe brannte. Es wurde sich leise unterhalten und ich dachte noch kurz nach, ging dann aber auch zu den anderen zurück. Es wurden jetzt lustige, aber auch gruselige Geschichten erzählt. Zwei Stunden später sollten wir uns dann auch hinlegen und schlafen. Ich schlief direkt ein. … Es krachte und ich schreckte hoch, wobei ich auch nicht die einzige war. Alle tuschelten und die Lehrer versuchten die Schüler, ohne Erfolg, leise zu kriegen. Sina neben mir rieb sich die Augen und sah sich um: „Was ist denn hier los?“ Plötzlich krachte es erneut und auf einmal wurde es unsäglich warm. „Feuer!!“, kommt es von irgendwoher und es springen augenblicklich fast alle Schüler auf und hechten zum Ausgang. „Alle raus hier!“, versuchen uns auch die Lehrer über den Lärm hinweg zuzubrüllen. Lea und Sina stehen auf und sehen mich erwartungsvoll an. Inzwischen sind auch schon fast alle Schüler draußen. Ich bin mit einem Ruck auf den Beinen und laufe mit den beiden zum Ausgang. Gerade rennt der letzte Schüler raus, als Lea plötzlich stolpert und fällt. Sie versucht aufzustehen, schafft es aber nicht. Sina sieht Lea kurz an, geht dann aber aus der Scheune raus. Ich bin fassungslos! Das hätte genauso gut ich sein können und es war ihr egal! Auch ich sehe kurz zum Ausgang, laufe dann aber fest entschlossen zurück. Lea blickt mich geschockt an und deutet zum Ausgang. Energisch schüttele ich mit dem Kopf und packe sie an den Hüften, um ihr so aufzuhelfen. Dankbar schaut sie mich an und wir humpeln zusammen Richtung Tür. Doch das Feuer frisst sich schnell durch das Holz und holt uns kurz darauf auch ein. Kurz vor der Tür wird mir schwindlig und ich weiß, ich werde gleich zusammenklappen. Schnell schubse ich Lea ins Freie und höre sie noch vor Schreck schreien. Dann wird mir schwarz vor Augen. … Ich blinzelte. Helles Licht blendete mich und ich hörte gedämpftes Gerede. „Sie kommt zu sich“, vernahm ich die erleichterte Stimme meiner Mutter, gedämpft wie durch Watte. Ich setzte mich auf und sah, dass ich in einem Krankenhaus lag. Sina nahm mich in den Arm und entschuldigte sich, dass sie einfach gegangen ist. Ob ich ihr verzeihen sollte, wusste ich noch nicht, da sie mich schon sehr enttäuscht hatte. Als ich mich noch weiter umblickte, entdeckte ich außer Sina und meinen Eltern auch Lea, die im zweiten Bett lag. Von meinen Eltern erfuhr ich, dass ich leichte Verbrennungen und eine leichte Rauchvergiftung hatte. Und als ich mich ein wenig später auch mit Lea unterhielt, erzählte sie mir, sie habe sich den Fuß verstaucht. Dennoch sollte sie zur Beobachtung noch im Krankenhaus bleiben. Aber ich habe mir zum Glück nichts Bleibendes zugezogen, außer einer Pyrophobie.

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