Ein interessanter Besuch – eine Erzählung

Ein interessanter Besuch – eine Erzählung

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Meine Schwester Isabel drehte sich lachend um. „Schau nach vorne!“, rief ich ihr zu. Sie drehte sich wieder um und radelte weiter. Wir fuhren auf einem schmalen, aber doch ziemlich ebenem Feldweg entlang. Neben uns zogen nur noch Maisfelder vorbei, denn die Stadt hatten wir schon längst hinter uns gelassen. Wir hatten vor unsere Oma zu besuchen, die etwas abseits der Stadt, nahe eines kleinen Wäldchens wohnten. Meistens schauten wir einmal pro Woche vorbei, was auch unseren Eltern sehr recht war. Unseren Eltern, vor allem unserem Vater, missfiel es nämlich, dass Oma daraufbestand alleine zu leben. „Sie ist viel zu alt zum Alleine-Wohnen, aber stur wie ein Esel“, sagte er immer. Mir und meiner Schwester machten die Besuche auch nichts aus, da Oma immer etwas zu erzählen hatte. Nach wenigen Minuten kamen wir vor dem weißen Zaun, der das Grundstück umgab, an und gingen in den wunderschön bepflanzten Vorgarten. Vor uns lag ein zweistöckiges, dennoch kleines weißes Haus mit blauer Haustür. Wir lehnten unsere Fahrräder gegen die Hauswand und klingelten. Ich hatte zwar einen Schlüssel, aber meistens klingelten wir trotzdem. Warum weiß ich aber auch nicht. Als Oma nach mehrfachem Klingeln nicht öffnete, holte ich doch den Schlüssel aus meiner Jackentasche und schloss auf. „Oma!“, rief ich fragend, als wir eintraten. – Es kam keine Antwort. So langsam begann ich mir doch Sorgen zu machen. „Vielleicht ist etwas passiert?“, dachte ich, während ich meine Schuhe und Jacke auszog. Nachdem ich beides los war, ging ich gefolgt von Isabel in die Küche. Als wir Oma dort nicht fanden, schauten wir uns im restlichen Haus um. „Sie ist bestimmt wandern gegangen oder so“, sagte Isabel zuversichtlich, als wir wieder im Flur standen. Ich war inzwischen zu demselben Entschluss gekommen und wollte in die Küche um zu warten, als ich plötzlich ein Poltern aus dem Keller hörte. Mitten in der Bewegung hielt ich inne und drehte mich Richtung Kellertür. Geschockt sahen ich und meine Schwester uns an. „Was sollen wir machen?“, flüsterte Isabel voller Angst. „Wenn es Oma wäre, hätte sie auf unsere Rufe reagiert. Was sollen wir tun?“, überlegte ich panisch. Ich blickte von der Kellertür, auf welche ich meinen Blick gerichtet hatte, wieder zu meiner Schwester. Da ich vor Angst nicht sprechen konnte, gab ich meiner Schwester anhand eines Schulterzuckens die Antwort auf ihre Frage. Isabel, die vor Angst schon ganz blass war, schlug vor, dass wir die Tür aufmachen sollten. „Dass wir da sind, weiß der da unten sowiso schon, also sollten wir es wagen“, war ihre Begründung. Ich wusste, dass sie Recht hatte, wollte es aber trotzdem nicht tun. Dennoch schlich ich nun auf die Tür zu. Schritt für Schritt komme ich ihr immer näher. „Du kannst die Tür jederzeit wieder zu schlagen“, wiederholte ich mir meinen Vorsatz in Gedanken und versuchte mir damit die Angst zu nehmen. „Vielleicht ist es ja nur ein Tier!“ Mein Puls schlug trotzdem noch laut in meinen Ohren. Nun stand ich vor der Tür und legte meine vor Angst zitternede Hand auf die Türklinke. Langsam drücke ich diese herunter und höre, wie Isabel scharf die Luft einzieht. „Wenn sie mir noch mehr Angst machen will, dann schafft sie das sehr gut“, denke ich und merke, dass die Klinke nun komplett unten ist. ich öffne die Tür ein klein wenig und dann passiert plötzlich alles auf einmal. Durch den kleinen Spalt zwischen Wand und Tür kommt ein kleines, schwarzes Etwas geschossen. Gleichzeitig dazu ging auch die Haustür auf. Das schwarze Etwas sprang auf Omas Arm und machte es sich dort bequem. Oma, die gerade mit einem Korb in der linke Hand zur Tür reingekommen war, schaute sich um. Dann fing sie an zu lachen und japste: „Ihr solltet eure Gesichter sehen! Und, Isabel, warum sitzt du auf dem Boden?!“ Ich blickte zu meiner Schwester und bemerkte grinsend, dass diese tatsächlich auf dem Boden saß.

Ein wenig später standen beziehungsweise saßen wir in der Küche. Gerade als Isabel mit viel Gestik von dem Moment, als wir das Geräusch aus dem Keller gehört hatten, erzählte, sprang Omas kleine schwarze Katze Mia auf den Tisch und miaute. Seit diesem Tag haben wir nie wieder vergessen, dass Oma eine Katze mit sehr viel Neugierde besitzt.

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