„Ich bin im Kindergarten sitzen geblieben.“ – Interview mit Herrn Dicker

„Ich bin im Kindergarten sitzen geblieben.“ – Interview mit Herrn Dicker

Name: Joel Dicker

Alter: 26

Fächer: Musik

HFGwaaf!: Warum unterrichten Sie gerade Musik?

Herr Dicker: Weil es das schönste Fach ist. Vielleicht kommt bald auch noch Erdkunde dazu. Ich finde das sind die wichtigsten Fächer. In Musik geht es um Toleranz anderen Welten gegenüber und in Erdkunde geht es darum, dass man respektvoll und nachhaltig mit der Erde umgeht.

HFGwaaf!: Wollten Sie schon immer Lehrer werden?

Herr Dicker: Ich wollte auch mal kurz Rockstar werden – als Musiker liegt das ja nahe – aber das hat nicht so gut funktioniert. Auf jeden Fall mag ich Musik und ich mag auch die Arbeit mit anderen Menschen, auch mit Jüngeren. Und deswegen habe ich mir gedacht, das ist in der Schule ganz gut, weil ich da beides verbinden kann.

HFGwaaf!: Hatten Sie – neben Rockstar und Lehrer – auch schon andere Berufswünsche?

Herr Dicker: Natürlich. Ich wollte auch mal Astronaut werden, ich wollte Formel 1 Fahrer werden, ich habe auch mal überlegt in die IT-Richtung zu gehen, weil mich Technik interessiert, aber am Ende ist es halt ein Musikstudium geworden.

HFGwaaf!: Was macht für Sie einen guten Lehrer aus?

Herr Dicker: Auf jeden Fall über sich selbst lachen zu können, humorvoll zu sein, den Schülern respektvoll gegenüberzutreten, und es hilft wahrscheinlich, wenn man ein bisschen Struktur in seinem Unterricht hat, damit für die Schüler klar ist, was man macht.

HFGwaaf!: Wie setzten Sie das konkret in Ihrem Unterricht um?

Herr Dicker: Gute Frage, ich versuche mir da ein Ziel oder ein Vorbild zu setzen und die Stunde dann so zu machen. Also ich
habe nicht den Anspruch in jeder Stunde einen perfekten Unterricht abzuliefern, das kann ich einfach nicht und ich versuche einfach lebenslang, Das ein
bisschen umzusetzen und dranzubleiben. Ich versuche mit möglichst vielen Zugängen zu arbeiten, das heißt optisch, haptisch und auch mit Audios [akustisch], und dann sollte für möglichst viele was dabei sein.

HFGwaaf!: Was ist ein typischer Lehrerspruch, den Sie jetzt benutzen, obwohl sie das nie dachten?

Herr Dicker: Vorhin im Unterricht habe ich was gesagt, aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich schon einen hab. Aber da bin ich auf die erste Abizeitung gespannt, weil da ja oft die Marotten der Lehrer drinstehen. Aber ich wüsste noch nicht, dass ich einen hab.

HFGwaaf!: Was nervt Sie an Schülern am meisten?

Herr Dicker: Respektlosigkeit. Oder wenn sie lügen. Man kann über alles reden. Wir sind menschlich und Fehler passieren; manchmal vergisst man seine Sachen, aber wenn ich merke, dass mir was anderes erzählt wird oder, dass mir komisch gegenübergetreten wird, ist das am schlimmsten.

HFGwaaf!: Und merken Sie als Lehrer, wenn Schüler nicht gelernt haben?

Herr Dicker: Hmm, auf jeden Fall. Da ist oft das Phänomen, dass viel geredet wird und wenig Aussagen dabei entstehen, also es werden viele Worte und lange Sätze benutzt, aber wenn man sich überlegt, was hat er oder sie gerade gesagt, dann sind das ein, zwei Punkte anstatt fünf.

HFGwaaf!: Was hat Sie als Schüler am meisten an Ihren Lehrern genervt?

Herr Dicker: Wenn sie willkürlich Noten vergeben haben oder Leute drangenommen haben, um sie vorzuführen. Zum Beispiel war das bei mir in Mathe so, da mussten Leute an die Tafel und man wusste gleich, das sind die schlechten Schüler, aber die wurden öfter an die Tafel geholt.

HFGwaaf!: Was ist Ihre schönste Schulerinnerung als Schüler oder Lehrer?

Herr Dicker: Lehrer bin ich noch nicht so lang, aber als Schüler fand ich mal ein Weihnachtskonzert sehr schön. Voll besetzte Kirche und mit Orgel, Orchester, Chor und die ganzen Eltern und Verwandten haben mitgesungen, das war sehr schön. Auf der anderen Seite waren natürlich die Abi Fahrt und Abi Feiern viel lustiger.

HFGwaaf!: Als Musiklehrer: Was wäre der Titelsong Ihres Lebens?

Herr Dicker: Da habe ich ein bisschen überlegt. Ich habe mich für „Feeling Good“ entschieden, da gibt’s eine sehr schöne Variante von Avicii, die mir gut gefällt. Ich muss sagen, mein Leben gefällt mir ganz gut und deswegen passt das.

HFGwaaf!: Welche Musik hören Sie sonst noch?

Herr Dicker: Also ich höre Querbeet, das sagen viele Leute, dass sie alles hören, aber bei mir stimmt das auch. Ich denke, dass Menschen immer Musik machen, wenn sie etwas Besonderes ausdrücken wollen, oder etwas zu sagen haben. Und das ist egal, ob das im 15. oder im 20. Jahrhundert ist, das hat immer seine Berechtigung. Und da ich auch Organist bin höre ich auch gern Orgelmusik oder Pop und EDM.

HFGwaaf!: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Herr Dicker: Viel. Ich fahr gern Motorrad, wenn das Wetter passt. Und ich mache natürlich auch in meiner Freizeit gerne Musik, da verbindet sich Arbeit und Freizeit. Ich hatte mal eine Big Band, war mal in einem Chor, hatte Klavierschüler, also das ist sehr Musik lastig. Ich treffe mich auch gern mit Freunden und bin gerne draußen.

HFGwaaf!: Gibt es auch Hobbys, die Sie noch ausprobieren wollen?

Herr Dicker: Ja, zum Beispiel Segeln. Also so richtig auf offenem Meer. Das interessiert mich, weil ich mal Windsurfen war und das ist schon schön, sich vom Wind über einen See transportieren zu lassen. Ich habe auch mal damit geliebäugelt, mir einen Bienenstock anzuschaffen, aber das mache ich dann erst, wenn ich irgendwo eine feste Stelle habe.

HFGwaaf!: Beschreiben Sie sich in drei Worten.

Herr Dicker: Humorvoll, würde ich sagen, manchmal auch ein bisschen chaotisch und offen. Ich habe schon öfter gehört, dass ich eher ein lustiger Mensch bin und dass Leute gern mit mir lachen. Ich weiß nicht, ob ich in der Schule auch so rüberkomme. Chaotisch habe ich in der Schulzeit und im Studium gemerkt, das bin ich auf jeden Fall. Ich vergesse gerne Sachen und man muss mich erinnern und so weiter. Und offen, weil ich Neuem gegenüber meistens keine ablehnende Haltung habe und weil mich Sachen interessieren, von denen ich noch nichts weiß.

HFGwaaf!: Was ist Ihr Lebensmotto?

Herr Dicker: Da habe ich, glaube ich, noch keins. Aber sowas wie „Mach das Beste aus deinem Tag“ oder „Kleine Schritte sind besser als keine“. Es ist für mich ganz oft der schwerste Teil, anzufangen. Wenn ich irgendetwas schon kann, geht’s, aber der Anfang ist für mich oft das schwierigste. Das ist ganz oft, wenn’s um Arbeit geht. Man muss den Unterricht ja vorbereiten. Und manchmal habe ich dann sechs, sieben Stunden am Tag und dann ist das erstmal eine ganz lange Liste, die ich abarbeiten muss. Die verschiebe ich gerne um ein oder zwei Stunden, anstatt einfach anzufangen. Man merkt dann schon, eigentlich ist das kein Problem, man kommt rein und der Berg wird kleiner, aber den Anfang, den scheibe [schiebe] ich gerne nach hinten.

HFGwaaf!: Haben Sie einen Fun Fact, den andere wissen sollten?

Herr Dicker: Ich bin im Kindergarten sitzen geblieben. Da wurde bei mir diagnostiziert, dass ich eine Lernstörung habe, und ich habe mit keinem geredet. Ich sollte dann erst auf eine Sonderschule mit Förderbedarf, aber dann wurde in den ersten zwei Klassen gemerkt, dass das überhaupt nicht so ist, und dann wurde ich normal eingeschult. Aber bevor ich in die Schule kam, dachte man, dass das schwierig wird mit mir.

HFGwaaf!: Welche Person – tot oder lebendig – würden Sie gerne mal zum Abendessen einladen?

Herr Dicker: Vielleicht den Papst, weil der als Kopf der katholischen Kirche interessant ist, und weil Glauben und Religion an sich interessant sind und weil da menschlich in letzter Zeit viel passiert ist. Oder die Staatschefin von Finnland, Sanna Marin, weil ich wissen will, wie das so ist in einer totalen Männer Domäne der Boss zu sein, das würde mich auch interessieren. Ich würde wahrscheinlich meine Carbonara kochen. Mal schauen, ob es ihnen schmeckt.

HFGwaaf!: Was darf bei Ihnen im Kühlschrank nie fehlen?

Herr Dicker: Joghurt. Und zwar brauch ich den Naturjoghurt, um Salatdressings und sowas zu machen und Fruchtjoghurt mit Granola. Inzwischen mache ich mir das gerne selbst, dann weiß ich genau was reinkommt.

HFGwaaf!: Wie lange brauchen Sie morgens durchschnittlich im Bad?

Herr Dicker: Ich dusche gerne und lang. Wenn ich mich beeile, sind es so zehn Minuten, wenn ich mir Zeit lasse, schon 20-30 Minuten.

HFGwaaf!: Und sind Sie eher Kalt- oder Warmduscher?

Herr Dicker: Warm. Das ist morgens vielleicht doof, aber ich brauche das morgens einfach. Dann kann ich ein bisschen übers Leben nachdenken oder darüber, was ich noch so zu tun habe.

HFGwaaf!: Haben Sie irgendwelche Tattoos?

Herr Dicker: Nein. Ich habe bisher noch nichts gefunden, was ich für den Rest meines Lebens auf der Haut haben will.

HFGwaaf!: Rein theoretisch: Was würden sie sich jetzt ganz spontan stechen lassen?

Herr Dicker: Das wäre wahrscheinlich irgendwas Lustiges oder Blödes, worüber man lachen kann. Aber auf jeden Fall keine Notenschlüssel oder ein Herz.

HFGwaaf!: Was ist Ihre Bildschirmzeit am Handy?

Herr Dicker: Zu viel. Hier steht zwischen ein und zwei Stunden. Aber ich habe auch noch einen PC, da mache ich auch viel.

HFGwaaf!: Welche Apps benutzen Sie da am meisten?

Herr Dicker: Vor allem Messenger, Soziale Netzwerke, Musik. Aber hauptsächlich soziale Netzwerke.

 

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