Ein schöner Waldtag oder auch nicht – Eine Kurzgeschichte

Februar 18, 2021 Von Namira

An einem Herbsttag Ende September fuhren meine Eltern, meine kleine Schwester Mira und ich zum nächsten Wald, um Pilze zu sammeln. Es war wunderschön, doch so würde es nicht die ganze Zeit sein…

,,Sind wir endlich da?“, jammerte meine Schwester und lehnte ihren Kopf gegen das Autofenster. Das fragte ich mich auch so langsam, da wir schon eine halbe Stunde fuhren. Mein Vater, welcher sich voll und ganz auf das Autofahren konzentrierte, murmelte abgelenkt: ,,Dauert nicht mehr lange… .“ Und tatsächlich kamen wir schon nach fünf Minuten an. Ich erblickte einen wunderschönen Wald. Gelbe, rote und orange Blätter vermischten sich mit dem grünen Moos und die untergehende Sonne ließ den Wald goldgelb erstrahlen. Als wir aus dem Auto stiegen, kam eine leichte Windböe, welche die Blätter rascheln ließ. Mira bekam große Augen und rief: ,,Hier wohnen bestimmt Elfen!“ Und genau das brachte mich auf eine Idee. ,,Hier sind keine Elfen. In diesem Wald, wohnt der Waldgeist! Sobald es dunkel wird, kommt er aus seiner Höhle und erschreckt Wanderer“, sagte ich mit tiefer Stimme. Wie ich erhoffte, bekam meine Schwester sofort Angst. Doch Mama sah mich bitterböse an. ,,Och man! Darf man nicht mal ein bisschen Spaß haben?“, dachte ich und nahm mir einen Korb für die Pilze. Nachdem sich jeder einen Korb geschnappt hatte, trabten wir an einem Fösterhaus vorbei in den Wald. Nach einer Stunde waren unsere Körbe schon fast voll, doch Mama wollte eine große Pilzsuppe machen, wofür sie, wie sie meinte, noch mehr Pilze bräuchte. Genau deswegen schlug ich vor, vom Trampelpfad abzuweichen und in den Wald zu gehen. Meine Eltern sahen so aus, als wollten sie protestieren, doch meine Schwester rannte schon voraus in den Wald. Das war der zweite böse Blick, der mir zugeworfen wurde, bevor wir Mira hinterher stolperten. ,,Was kann ich dafür, dass Mira vorraus rennt?“, dachte ich wütend. Wir blieben noch eine Stunde, in der uns gar nicht auffiel, wie es dunkel wurde. Ich blickte auf und mir wurde klar, dass es so dunkel war, dass es mich wunderte, dass meine Familie noch was sah. ,,Mama, Papa, wollen wir nicht lieber zurücklaufen?“, fragte ich und schaute in die Richtung, in der ich die Umrisse meiner Eltern warnahm. Meine Mutter kramte in ihrem Rucksack und nahm ein rechteckiges Etwas daraus. Kurz darauf rief meine Mutter: ,,Mein Akku ist leer!“ Damit meinte sie sicher ihr Handy, das sie jetzt auch wieder zurück in den Rucksack warf. Auf Vaters Handy sollten wir auch keine Hoffnungen setzen, da er es nie auflädt, und meines lag im Auto. Mira und meine Eltern kamen auf mich zu, da mein Vater dachte, dass wir aus der Richtung kamen, in die er gerade gehen wollte. Nachdem wir ein paar Minuten gelaufen waren, wollte ich meine Schwester ein bisschen ärgern. ,,Jetzt ist es Zeit für den Waldgeist“, flüsterte ich meiner Schwester ins Ohr. Diese schaute mich erschrocken an. Meine Mutter schaute mich böse an und motzte: ,,Milo! Hör‘ auf, deine Schwester zu ärgern!“ Als ich sagen wollte, dass es keine Geister gibt, blieben mir die Worte im Hals stecken, da ich hinter mir ein Rascheln hörte. Mira drehte sich panisch um und blickte sich um. Ich tat es ihr gleich, doch ich sah nichts. ,,Ihr werdet nichts sehen. Das war nur der Wind“, sagte mein Vater, als er sah, wie wir uns umdrehten. ,,Ja, das war nur ein Windstoß“, erwiderte ich, um mich zu beruhigen. Doch völlig unerwartet fühlte ich etwas Weiches. Es fühlte sich an wie… Haut! ,,Der Waldgeist!“, schießt es mir durch den Kopf. In dem Moment schreit meine Schwester: ,,Hi…, Hilfe! Der Waldgeist! Er hat mich berührt!“ Doch meine Mutter sagt: ,,Mira, das hat Milo dir nur erzählt, um dich zu ärgern.“ Doch so ganz überzeugt klingt sie nicht mehr. Plötzlich sehe ich den Strahl einer Taschenlampe. Nachdem meine Augen sich an den Schein der Lampe gewohnt hatten, blickte ich hinter mich und sah wie mich zwei dunkle Augen musterten. Die Augen gehörten einem Reh, welches nach wenigen Sekunden entsprang. Als die Gestalt mit der Taschenlampe näher kam, erkannte ich einen alten, bärtigen Mann. Dieser stellte sich als Förster heraus, welcher uns zurück zum Auto brachte. Dort angekommen fuhren wir nach Hause, wo wir die Pilze zu einer Pilzsuppe verarbeiten und aßen.

Von Namira