„Wer denkt eigentlich an die Schüler?“ – Ein Elftklässler berichtet aus der Corona-Zeit…

Oktober 26, 2020 Von Hfgwaaf

Corona hält die Welt in Atem und hat auch unseren Schulalltag ordentlich durcheinandergewirbelt. Im Folgenden möchte ich euch einen Einblick in den Schulalltag eines derzeitigen Schülers in der 11. Klasse geben, jemandem, der schon viele Jahre in der Schule ist und eigentlich das Ziel verfolgt, einmal ein ansehnliches Abiturzeugnis in den Händen zu halten. Doch durch Corona wurden uns, all denjenigen, die das gleiche Ziel verfolgen, weitere Steine in den Weg gelegt. Welche das sind, möchte ich euch in diesem Artikel aufzeigen.

Wie stark beeinträchtigt Corona das Ablegen eines erfolgreichen Abiturs?

Die Schüler der Oberstufe haben es in dieser Zeit besonders schwer. Sie haben jahrelang hart gearbeitet, um die Grundlagen für ihr Abitur zu legen und diese weiter zu vertiefen. Doch anstatt dies im Unterricht mit zielführenden Gesprächen und Aufgaben zu schaffen, hieß es für sie, sich einige Monate an den PC zu setzen und täglich Besprechungen über MS Teams abzuhalten und zu hoffen, dass die Lernplattform Mebis nicht überlastet ist, damit sie ihre Aufgaben erledigen können. Diese Zeit war für alle Schüler schwer: jeden Tag motiviert und zuverlässig zu arbeiten, jeden Termin einer Besprechung wahrzunehmen und die Abgabetermine für Arbeitsaufträge zu berücksichtigen; das war für alle nicht einfach. Denn wenn wir ehrlich sind, hätten wir alle gerne einmal länger geschlafen oder lieber Computerspiele gespielt, als sich mit Arbeitsaufträgen auseinanderzusetzen. Da kam es uns schon allen sehr gelegen, dass wir wieder in die Schule konnten. Zwar hatten die darauffolgenden Wochen nicht viel mit normalem Unterricht zu tun, trotzdem konnte man seine Freunde wiedersehen und auch der Unterricht in der Schule war deutlich besser als von zu Hause aus. Dennoch war auch diese Zeit eine Herausforderung, denn während man bis zur 10. Stunde Unterricht hatte, musste man dauernd Rücksicht auf den nötigen Abstand und die Maskenpflicht legen, somit geriet auch hier der Unterricht teilweise in den Hintergrund. Doch auch dieser Herausforderung haben wir uns gestellt und – meiner Meinung nach – auch ganz gut gemeistert.

Hoffnungsvoll in das neue Schuljahr

Als dann die langersehnten Sommerferien vor der Tür standen, hofften wir alle, dass dieses Schuljahr eine Ausnahme bleiben würde und wir nächstes Jahr wieder durchstarten können. Doch je länger die Sommerferien andauerten, desto mehr Ernüchterung machte sich unter einigen Schülern breit. Denn das Wetter war schön, viele Menschen machten Urlaub an Nord- und Ostsee oder gar im Ausland, man traf sich mit Freunden am See und besuchte Verwandte. Die logische Konsequenz war: Die Anzahl der Infizierten stieg wieder an und die Politik musste sich die Frage stellen, wie es nach den Sommerferien in den Schulen weitergehen sollte. Schnell wurde klar, dass der Fokus auf dem Regelbetrieb lag und man wieder zu etwas Normalität an bayerischen Schulen zurückkehren möchte. Es wurde festgelegt, dass Schüler während der ersten zwei Wochen dauerhaft die Maskenpflicht einhalten müssen, sei es im Unterricht oder in der Pause. Allerdings muss man sich auch fragen, weshalb Schüler bis zu zehn Stunden am Tag einen Mundschutz tragen müssen und von ihnen verlangt wird, ihre normalen Leistungen abzurufen, während Fußballfans ins Stadion gehen dürfen und ihren Mundschutz ablegen können. Trotzdem hat sich jeder Schüler an diese Regeln gehalten und damit bewiesen, dass sie alle in schweren Zeiten zusammenhalten können und schnellstmöglich zu etwas Normalität zurückkehren wollen.

Doch diese „Normalität“ scheint nun noch weiter in die Ferne zu rücken, denn nach diesen zwei Wochen wurde die Maskenpflicht im Klassenzimmer aufgehoben und seitdem, sitzen die Schüler wieder ohne jegliche Schutzmaßnahmen nebeneinander, dicht gedrängt im Klassenzimmer. Ist das der richtige Weg, um die Ausbreitung der Pandemie zu verlangsamen? Zusätzlich steigt auch die Zahl der Infizierten immer weiter an und auch die Zeit der alljährlichen Grippewelle steht schon vor der Tür.

„Daran ist vor allem die junge Generation schuld“

Diesen Satz hört man seit dem Ausbruch des Coronavirus immer wieder, unsere Generation denke nur an sich selbst, wolle um die Welt reisen und Party machen. Dass trifft bei mir und vielen anderen auf Unverständnis. Es mag schon sein, dass einige Jugendliche die Regelungen nicht befolgen und an ihren Spaß und an ihr Leben denken, doch das ist deutlich die Minderheit. Denn die meisten Jugendlichen halten sich daran: sie tragen in öffentlichen Gebäuden den Mundschutz, halten Abstand – besonders zu älteren Menschen – und verzichten auf das Feiern ihres Geburtstages mit Freunden oder darauf, mit ihnen irgendwo hinzugehen, wo sich eine größere Menschenmenge aufhält. Während andere Menschen auf die Straße gehen und die Existenz von Covid-19 anzweifeln, schauen wir täglich auf die Zahl der Neuinfizierten und hoffen, dass diese nicht so weit steigt, wie es in Frankreich oder Belgien der Fall ist. Denn wenn das bei uns der Fall sein würde, dann reden wir nicht um eine Maskenpflicht im Freien oder eine Sperrstunde, denn dann sind wir mittendrin im zweiten Lockdown. Würde bedeuten: Wir verbrächten den ganzen Tag in der Wohnung, weitere Menschen verlören ihre Arbeit und man müsste sich mit eigentlich unnötigen Problemen auseinandersetzen wie: In welchem Supermarkt gibt es noch Klopapier oder Mehl? Und ich bin der Meinung, dass wir aus dem ersten Lockdown so viel gelernt haben sollten, dass es eine wirklich angespannte und schlimme Zeit für uns alle war und wir verhindern sollten, dies noch ein zweites Mal erleben zu müssen.

Abschließend muss man allerdings festhalten, dass unsere Regierung viel richtig macht, denn nicht umsonst steht Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern noch relativ gut da. Damit es in absehbarer Zeit noch besser aussieht, müssen wir GEMEINSAM handeln, uns an die Regeln halten, ohne diese dauernd zu hinterfragen und die Wirksamkeit aller Regelungen in Frage zu stellen. Bevor man das Handeln anderer kritisiert, sollte man sich einmal selbst an die eigene Nase fassen und sich fragen, was man noch an seinem Verhalten ändern kann. Denn eins ist klar, die Pandemie wird uns noch einige Zeit beschäftigen. Doch wenn wir alle zusammenhalten, ist die Chance größer, dass wir diese Herausforderung meistern, ohne das Leben anderer unnötig lange aufs Spiel zu setzen.


Adrian Eisel (Q11)